38. Spieltag, Championship England
Zuschauer: 27.250 Zuschauer, Upton Park (Boleyn Ground)
Da irgendwie Niemand so richtig sagen kann, wann und ob überhaupt West Ham United in der nächsten Saison schon im neuen Londoner Olympiastadion spielen wird, wurde kurzfristig Nägel mit Köpfen gemacht und ein Spiel heraus gesucht. Fündig wurde ich mit dem Dienstagabend Spiel gegen Middlesbrough. Über Ryanair günstige Flüge gesucht und auch schnell mit 14 Euro plus 12 Euro Steuern und Gebühren, also 26 Euro all in, von Bremen nach Stansted, fündig geworden. Eine einfache Zugfahrt kostet übrigens von Kiel nach Hamburg mit einem ICE 27 Euro! Tickets wurden dank unzähligen Kontakten über einen Middlesbrough Supporter für 32 Pfund organisiert und somit auch eine lästige Mitgliedschaft im Verein umgangen. Bereits um 3:00 Uhr startete am Dienstagmorgen die Fahrt aus Neumünster über Hollenstedt, um die restlichen Hopper aus Schleswig-Holstein einzusammeln und dann weiter nach Bremen zu fahren, um den Flieger um 6:50 Uhr in Richtung Mutterland des Fußballs zu nehmen. Dank der Zeitverschiebung erreichten wir um 7:10 Uhr Stansted um dann mit dem Easybus für 20 Euro für beide Fahren in die englische Hauptstadt zu fahren. Zum Leidwesen der anderen Fahrgäste wurde die Fahrt mit lustigen Fußballgeschichten sehr gut überbrückt und uns ist mal wieder klar geworden, wie viele Leute man so all die Jahre beim Fußball in den Stadion und den Szenen getroffen hat. Während die einen ins Ausland gegangen sind, wurde einige Häuslich, sind immer noch dabei oder haben ihre Aktivitäten nur noch aufs Angeln beschränkt. Von der Baker Street ging es dann erst mal in die City, um bei Lillywhites, JD Sports und in der Carnaby Street die Kohle auf den Kopf zu hauen. Nachdem die Füße schon ordentlich qualmten ging es noch kurz zum Sightseeing an den Big Ben, der Tower Bridge und dann endlich in den Pub, wo es das beste und billigste Bier der Stadt geben sollte, hieß es von Stu aus der CCK Sektion London. Stu ließ auch nicht lange auf sich warten und so flossen Literweise kühles Cider in unsere durstigen Kehlen. Die Zeit wurde bei der netten Runde total vergessen und so mussten wir und nach West Ham spurten, um das Feeling im und um Stadion zu erleben. Vergeblich wurde noch für unsere Einkäufe, sowie unsere Kultursachen Schließfächer, bzw. eine Gepäckaufbewahrungsstation gesucht, da es aus Sicherheitsgründen in London keine richtigen Schließfächer mehr gibt. Pech gehabt, die Tasche muss mit Gesamten Inhalt ins Stadion, denn solche Gepäckstationen gibt es ausschließlich an den großen Bahnhöfen im Zentrum der Stadt. An der Station Upton Park ging es dann endlich aus der Bahn um zum Ground zu gehen. Ein typisches Bild für England zeigte uns die Straße entlang zum Stadion, in der es neben Hamburgern, Chips und sonstigem kulinarischen Highlights auch die kultigen Stände mit Fanutensilien von West Ham United und dem Film „Greenstreet Hooligans“ gab. Nachdem wir uns im Fanshop ein Trikot der Hammers für schlappe 15 Pfund ergatterten ging es einmal um das Stadion, um in unseren Away-Sector zu gelangen. Die Panik, unsere Taschen mit ins Stadion zu bekommen war uns förmlich ins Gesicht geschrieben, denn Zeit um die Taschen im Umfeld des Stadions zu verstecken hatten nicht mehr. Doch der Ordner fragte lediglich „have you bottles“? „No, No, we are tourists“ erwiderten wir und der Ordner winkte uns mit einem Lächeln ins Rund. Endlich waren wir im Stadion und der Anpfif ließ auch nicht lange auf sich warten. Die Stimmung aus dem Gästeblock war für einen Dienstagabend und für englische Verhältnisse recht gut. Der Heimsupport konnte am Anfang allerdings nur aus dem Block neben den Gästen vernommen werden, indem sich Cass Pennant höchstpersönlich aufhielt. Um Cass, der mit seiner Schiebermütze ununterbrochen lächelte und in den Gästesektor starrte, standen viele jüngere Casuals herum, lachten, quatschten und tranken Bier. Das Spiel lief sehr schnell und konnte viele Fouls bieten, zumindest würde man als Deutscher diese Zweikämpfe als Fouls bezeichnen, denn in England wurde einfach weiter gespielt. Ein David Jarolim würde auf der Insel wohl kein Spiel überleben und ständig auf dem Grün liegen. Obwohl die erste Hälfte voller Torchancen war, blieb es beim 0:0 zur Pause. Im zweiten Durchgang wurde die Stimmung besser und die Hausherren wurden mit einem Eigentor von Joe Bennett belohnt. Es sah alles nach einem so wichtigen Heimsieg für West Ham aus, die unbedingt wieder in die erste Liga aufsteigen wollen. Doch in der 84.ten Minute konnten die Gäste durch Bartholomew Ogbeche, den mittlerweile auch schon verdienten, Ausgleich erzielen. Der Gästesektor drehte völlig ab und provozierte den Heimmob um Caas herum. Dieses sah allerdings alles mit Humor und zeigte weiterhin mit breitem Grinsen seine Zähne. Nach dem Kick ging es wieder auf die Fressmeile, um noch Hamburger für einen Pfund das Stück zu erobern. Per Bahn ging es dann wieder zum Piccdilly Circus, Proviant für die Nacht gekauft und ab zur Baker Street, wo der Bus um Mitternacht gen Stansted starten sollte. In Stansted waren natürlich alle „Betten“ belegt und so machten wir uns auf, den Flughafen zu erkunden. Um 6:50 Uhr ging endlich der Flieger in Richtung Bremen, fix in neue Klamotten gesprungen und ab zur Arbeit, wo man nur mit einem freundlichen „Moin, du musst heute die Spätschicht übernehmen“ begrüßt wurde. Ein Leben als Groundhopper ist eben kein Ponyhof und so wurde endlich nach 43 Stunden ohne Schlaf das heimische Bett angetroffen.
Patrick Lage