20. Spieltag, Ligue de Football Professionnel, Frankreich
Zuschauer: 13.500 Zuschauer, Stade Marcel Picot
Mit sehr viel Zeit im Gepäck erreichten wir am frühen Abend die 100.000 Einwohnerstadt Nancy. Dank der Dunkelheit konnte auch der Ground mit den großen Flutlichtern auf die Schnelle gesichtet werden. Da die Pressestelle vom AS Nancy-Lorraine bereits das zweite Mal bezüglich Pressetickets stresste, ging es zunächst zum Kartenhäuschen, wo wir mit schlappen 15 Euro einen Platz in der Heimkurve bekamen. Da die Stadiontoren noch geschlossen waren, der Fanshop wie beim Winterschlussverkauf völlig überfüllt war und der Magen unüberhörbar knurrte, ging es in eine, man mag es kaum glauben, Croque Bude. Der wohl ungewöhnlichste und zudem dickste Croque wurde gleich vier Mal aus unsere Reisegruppe heraus bestellt. Man nehme ein 50cm langes Baguette, schneidet es auf und haut eine ordentliche Portion Mayonnaise rein, drückt danach kleingehackte Frikadellen dazu, ballert dann eine Schüssel Pommes rauf und versüßt diesen Haufen mit einem halben Kilo Mayonnaise – fertig ist der Croque Monsieur! Das ganze sieht zwar alles etwas Scheiße aus, schmeckt aber sehr gut und hält für die nächsten 24 Stunden den Magen zusammen. Nach einer guten Stunde in der Bude ging es dann endlich ins Rund. Der Ground hat ausschließlich Sitzplätze, fasst 20.087 Zuschauer und hat sich ebenfalls als Austragungsort für die EM 2016 beworben. Das Spielfeld, das nach einem saftigen Grün aussieht ist ein Kunstrasen und kommt aus Deutschland. Es scheint so allmählich Mode zu werden, sich so einen Platz anzuschaffen. Die Fangruppen in Nancy sind wie auch schon in Metz, auf zwei Tribünen verteilt. In der einen hausen die „Red Sharks“, unmittelbar neben den Auswärtsblock, der allerdings mit gerade einmal 15 Leuten beim Spiel gegen den FC Lorient eher unterging. Hinter dem anderen Tor steht die Gruppe „Saturday FC“, die eine enge und langjährige Freundschaft mit den Ultras aus Saarbrücken verbindet, die ebenfalls vor Ort waren. Der Anpfiff in Nancy wurde gleich zum Leckerbissen, denn die frischgebackene „Miss Lorraine“ durfte zum Anstoß anblasen, ähm – ich meinte natürlich anstoßen. Die Stimmung auf Seiten der „Saturday FC“ war abwechslungsreich und sehr gut zu vernehmen, aus dem Gästesektor hörte man nichts und aus dem Mob um die „Red Sharks“ konnte man nur trommeln vernehmen. Bei gefühlten 10 Grad Minus sahen wir eine recht ordentliche Partie, in der die Hausherren in der ersten Halbzeit ein Tor erzielen konnten und mit dieser Führung in die Pause verschwanden. Auf der Suche nach etwas warmen zu trinken wurde man gleich an die Bundesliga erinnert und an das Kartensystem zum Bezahlen verwiesen. Der zweite Durchgang konnte uns durch kostenloses W-LAN und ein paar Toren vor dem erfrieren retten. Nachdem die Gäste zunächst den Ausgleich erzielten, konnte in der Schlussphase sogar noch die Führung erkämpft werden. Lange Gesichter und Stimmungsschwankungen im Block der Nancy Anhänger. Doch kurz vor Schluss konnte Nancy doch noch den verdienten Ausgleich machen und die Stimmung kochte noch einmal über. Bei der Punkteteilung blieb es dann auch und für uns ding die Reise wieder in Richtung geliebtes Schleswig-Holstein.
Patrick Lage
